Form regiert - Marken mit Familiengesicht

Es wird immer schwieriger, sich mit Funktion gegenüber einer anderen Marke abzuheben. Wo die Funktion paßt, kann man sich über andere Dinge Gedanken machen. Firmengesichter werden 2005 nicht mehr nur über die Dekore und Grafiken erzeugt, sondern auch über die Rahmendetails und Technologien. Die Behauptung kann man am leichtesten bei Scott, Nicolai oder Spezialiced nachvollziehen. Kopieren und kopiert werden ist immer schon ein Thema auf der Messe gewesen. Viele Hersteller versuchen sich zu schützen. Nämlich mit Form, Technologie und Fertigungskosten. Das gehört in etwa so zusammen. Neue, teure Technologien wie z.B. 3D-Schmieden können sich nur die großen Hersteller leisten. Die Technologien lassen Formenwelten zu, die kreative Designer jubilieren lassen. Bei den Trendsettern sieht man Hydroform-Rohre, Monocoques und Blechprägetechnicken. Die entsprechenden Formkosten für Molds sind Kostenschwellen, über die nicht jeder Hersteller mit seinen Stückzahlen kommt. Bei Fräsenteilen kann sich mittlerweile jeder ausleben, glaubt man, dass stimmt so aber auch nicht. Kalle Nicolais CNC Teile haben z.T. Formen, die man an feste Bahnen gebundenen Zerspanmaschinen kaum zutraut. Der Designmehrwert, den die Top-Gestalter und Ingenieure gemeinsamen Produktdesign entlocken, freut sich das Auge. Manche Produzenten sehen da mit ihren billigen 2D-Frästeilen und viel Rohrschweißerei recht altbacken aus.


Das Federweg zu Gewicht Verhältnis


Hardcore-Unkaputtbar Bikes sind nach wie vor ein fettes Thema, aber zumindest für softere Fahrer im Race und Endurobereich ist ein vorsichtiger Leichtbautrend nicht zu übersehen. Die Idee, Freerider leichter zu machen oder leichte Enduros, mit mehr Federweg aufzubohren, ist nicht so neu. Es geht um universeller einsatzbare, robuste Bikes. Ein Bike für alles von Bikepark bis Feierabendtour. Das Ziel, möglichst geringe Nutzungseinbussen. Long Travel Enduros sah man häufig, vor allem weil Fahrwerkshersteller wie Manitou, RockShox, Marzocchi, Fox oder auch DT noch ausgetüfteltere Produkte anbieten. Das Ziel, möglichst geringe Nutzungseinbussen, wird immer besser erreicht, auch dank variabler Geometrien. Aber auch bei Downhillracebikes, der World Cup macht es vor, baut man gewichtsbewußter auf.


Getriebezukunft schon in Kleinserie

Ein Getriebe-Showdown war zu erwarten gewesen, denn wo sonst kann auch man das Thema Getriebeentwicklung so forcieren? GT bringt seinen Mitte der Neunziger gezeigten GT-Box Protypen in Kleinserie. Kalle Nicolais TST zeigt wie weit der Reifungsprozess der G-Boxx mittlerweile ist. Frank Schneider nahm das Rad vom Stand direkt mit zur Weltmeisterschaft. Auch Alutech hatte eine schöne G-Boxx Wildsau am Stand. Sehr gespannt waren wir auf die Details des Innenlebens von Be Ones Pete Speed Box. Es kommt mit sehr wenigen und einfachen Teilen aus und stellt einen weiteren erstzunehmenden Ansatz dar. Leider war kein Honda RN zu sehen.


Single Speed

Viele Hersteller, und nicht nur kleine, greifen Ideen von der Basis auf. Dirt Jumper wollen simple Bikes, Single Speed genügt. Entsprechende Rahmen findet man genauso ohne Probleme wie clevere Naben mit Speziallösungen. Es geht also, ein Fahrrad mit 26“ kann zugleich preiswert und stabil sein.

Farben


Im Bekleidungsbereich kehren geschickt mit neongrün oder grellgelb aufgemischte Kombinationen zurück. Anders als in den späten Achtzigern werden die Kontraste aber nicht so krass gesetzt. Weiß und grün geht besonders häufig. Andererseits ist braun mehr zu sehen, in Kombination mit hellblau, schwarz oder cremé. Im Bikebereich sind die Freerider und Dirtbikes eher in grau-grün-braunen Erdtönen und auch die Decals sind betont anti-racing, eher entspannt chillig.
Alles in allem hinterläßt die Messe eine riesige Vorfreude auf 2005 und unsere kommenden Test, denn erst auf den Trails sind die Produkte am Ziel.

von uwe buchholz

Lust auf Produkte ansehen, da lang ===>